Seit 2025 erzählt eine Dauerausstellung die Geschichte des Hauses in sieben Kapiteln – von den Biografien der Kinder über Flucht, Verfolgung und Ermordung – bis zur Wiedereröffnung als Erinnerungsort.
Die Ausstellung verbindet die Geschichte des Hauses mit den Biografien ehemaliger Zöglinge — über persönliche Erinnerungen, historische Dokumente, Fotografien und die Stimmen von Überlebenden. Ihr Zugang geht vom konkreten Ort aus und reicht bis in die Gegenwart.
Die sieben Kapitel
zeigen, warum Kinder nach Pankow kamen, wie sie im Waisenhaus lebten, wie die nationalsozialistische Verfolgung in ihr Leben einbrach, welche Wege in die Flucht führten und was mit denen geschah, die nicht entkommen konnten. Später richtet sich der Blick auf den Wiederaufbau des Hauses, die Rückkehr ehemaliger Zöglinge und ihr Vermächtnis für heutige und kommende Generationen.
Themen der Ausstellung
Vom Leben der Bewohner
Die Ausstellung folgt den Lebenswegen ehemaliger Zöglinge und der Geschichte des Hauses. Jedes der sieben Kapitel nimmt einen Abschnitt auf: den Alltag im Waisenhaus, dann Ausgrenzung und Flucht, die Deportation der Zurückgebliebenen und schließlich die späte Rückkehr der Überlebenden.
Das Waisenhaus war ein Lebensort für Kinder und Jugendliche, dann ein Ort der Verfolgung. Heute ist es Bibliothek, Schule und Erinnerungsort in einem.

Die Anfänge
Geschichte des Hauses
Das erste Jüdische Waisenhaus in Pankow geht auf das Jahr 1882 zurück. Hermann Makower, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlins, holte damals 39 jüdische Jungen zwischen sechs und elf Jahren nach Pankow, die der Verfolgung in der Grenzstadt Brody entkommen waren. 1911 zerstörte ein Brand das Gebäude; an seiner Stelle entstand das Haus, das heute noch steht — 1913 nach Plänen des Architekten Alexander Beer im neobarocken Stil eröffnet.
Für die Jungen war das Haus der ganze Lebensraum: Unten lagen Klassenräume und Speisesaal, in den oberen Etagen die Schlafsäle, im Dach und im Keller die Werkstätten. Sein geistiges Zentrum war der Betsaal, in dem Gottesdienste, jüdische Feste und schulische Feiern stattfanden. Was aus diesem Schutzraum wurde — die Schließung 1940, die Einbindung in die Verfolgung, die späte Rückkehr der Überlebenden —, erzählen die sieben Kapitel der Ausstellung.
Unentgeltliche Führungen für Gruppen (ab fünf Personen) sind über die Cajewitz-Stiftung flexibel buchbar, auch für Wochenenden. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Janusz-Korczak-Bibliothek frei zugänglich. Ihre eigentliche Botschaft erschließt sich jedoch erst in der interaktiven Audioführung und im Gespräch in der Leslie Baruch Brent-Hall (ehemaliger Betsaal).
Sie verbindet die Exponate mit den Erinnerungen und Botschaften der ehemaligen Zöglinge und vermittelt deren ‚Vermächtnis‘: Solidarität trotz Verfolgung, Humanität trotz Unmenschlichkeit und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft.
In der Janusz-Korczak-Bibliothek steht auch eine Auswahl von Büchern zur Geschichte des Hauses, zum jüdischen Leben in Pankow und zur Shoah bereit.
Die Cajewitz-Stiftung hat in einer eigenen Schriftenreihe Themen zur Gedenkkultur des Hauses publiziert.
Durch alle sieben Kapitel führt die Audioführung mit der Originalstimme von Leslie Baruch Brent, einem ehemaligen Zögling des Hauses.


